102.800 – Das ist die Anzahl der Menschen, die im Jahr 2008 studienbedingt „auswanderten“. Die einen packten ihre Koffer im Hinblick auf eine anschließende Karriere in international agierenden Wirtschaftsunternehmen, andere bewarben sich an einer Hochschule außerhalb Deutschlands, weil sie ihre Fremdsprachenkenntnisse verbessern wollten, andere wiederum, um der Studien-Routine ihrer Heimat-Uni für ein paar Semester zu entfliehen. Abhängig vom jeweiligen Fach kann dabei wohl auch der Faktor „Numerus Clausus“ angenommen werden, der die Jungakademiker dazu bewegt, das Land zeitweise zu verlassen. „Viele Studierende nehmen lieber ein Studium im Ausland auf, als lange Wartezeiten in Kauf zu nehmen“, zitierte das Hochschul-Magazin Unicum im Juli 2011 Udo Kleinegees vom Statistischen Bundesamt. Demnach zog es deutsche Jungakademiker 2008 häufig in das europäische Umland. Allen voran die Niederlande, Österreich, Großbritannien und die Schweiz.
Wer sich hingegen für Australien entscheidet – zum Beispiel, um dort ein Masterstudium zu absolvieren – weiß vor allem um den hohen Stellenwert, der dem Bildungssystem in Australien eingeräumt wird. Tatsächlich investiert Australien große Summen in den Bildungssektor. In einer Vergleichsstudie zu den staatlichen Bildungsausgaben (gemessen am jeweiligen Brutto-Inlands-Produkt) aus dem Jahr 2000 lag Australien mit 6% weltweit auf Platz 6 (Deutschland hingegen auf Platz 14 der Top 25).
Ausgaben, die sich qualitativ in Forschung und Lehre niederschlagen. In einem transparenten Hochschulsystem, das alle Abschlussarten –von der Oberstufe der Highschool bis zur Promotion- sinnvoll verbindet. So wird es den Schülern und Studenten beispielsweise ermöglicht, zwischen den Stufen zu wechseln, ohne „Leerzeiten“ in Kauf nehmen zu müssen. Studierenden mit internationalem Hintergrund ermöglicht dieses System einen unkomplizierten Start in den gewünschten Studiengang. Die entsprechenden Richtlinien werden z.B. von der „Tertiary Education Quality and Standards Agency (TEQSA) festgelegt und in mehrfacher Hinsicht überwacht.
Mit Erfolg: Mittlerweile erzielt der australische Staat im Bildungssektor seine höchsten Einnahmen, noch vor der Landwirtschaft. Dazu trugen 2008 rund 3400 deutsche Bachelor- oder Master-Studenten in Australien bei (zehnmal mehr als noch 1998!), ermittelte das Statistische Bundesamt.
Denn damit nahmen sie auch zunächst einmal die jährlichen Studiengebühren von 16.000-18.000 AUD (ca. 12.000 – 13.000 Euro) in Kauf, die die 39 Hochschulen in Australien von ihren Auslandsstudierenden erheben. Um die Kosten des Masterstudiums zu drosseln, gibt es eine Reihe von Finanzierungsmodellen, angefangen bei Auslands-BAföG über spezielle Stipendien öffentlicher Organisationen bis zu Bildungskrediten. Als Inhaber eines Studentenvisums können Sie auch einen Antrag auf eine Arbeitserlaubnis stellen. Damit können Sie dann bis zu 20 Stunden in der Woche arbeiten. Mehr dazu erfahren Sie unter anderem beim Deutschen Akademischen Auslands-Dienst (DAAD) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).
Auch neben der finanziellen, werden Sie auch auf der universitären Seite mit grundsätzlichen Unterschieden im australischen Studiensystem konfrontiert. Abhängig von Hochschule und Fach dauern Masterstudiengänge zwar auch dort zumeist zwischen zwei und vier Semestern. Doch je nachdem, in welche Richtung der spätere Beruf gehen soll, haben Sie in Australien Einfluss auf den organisatorischen Ablauf des Masterstudiums. So entscheiden Sie sich entweder für einen „Master by Coursework“ oder einen „Master by Research“. Beim „Master by Coursework“ wählen Sie in erster Linie Lehrveranstaltungen, die Ihr Studienwissen aus dem Bachelor-Studium vertiefen. Das Studium endet mit einer relativ kurzen Master-Thesis. Eine Variante, die besonders von Studierenden gewählt wird, die später in Wirtschaftsberufen einsteigen wollen.
Angehende Dozenten und Anwärter auf einen Promotions-Studiengang hingegen entscheiden sich zumeist für einen „Master by Research“. Dabei belegen Sie (so gut wie) keine Lehrveranstaltungen, sondern verbringen viel Zeit in der Forschung. Dementsprechend fällt die Abschlussarbeit wesentlich länger aus.
Um in Australien zu einem Masterstudium zugelassen zu werden, benötigen Bewerber –ebenso wie hierzulande- für gewöhnlich ein erfolgreich absolviertes Studium als Bachelor. Doch auch deutschen Diplomanden und Magister steht ein Masterprogramm in „Down Under“ offen, ebenso wie Inhabern eines offiziellen Staatsexamens. Zwar können Sie prinzipiell sie sich auch schon vor der Bachelor-Prüfung in Australien für ein Masterprogramm bewerben – ob es indes immer sinnvoll ist, ein zweites Examen noch vor dem ersten anzugehen, lässt sich nur im Einzelfall entscheiden.